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Cloud Control 12c: Aktivierung des AWR Warehouse
von Ralf Durben, Oracle Deutschland B.V. & Co. KG
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Seit Oracle Datenbank 10g gibt es im Rahmen des Diagnostics Pack das Automatic Workload Repository (AWR) und die Active Session History (ASH). In regelmäßigen Abständen werden dabei Performancestatistiken und Sessioninformationen direkt aus dem Hauptspeicher der Datenbank (SGA) gelesen und im Tablespace SYSAUX gespeichert. Der Speicherbereich für die allgemeinen Performancedaten ist das AWR, der Speicherbereich für die Sessioninformationen ist die ASH. In einer Landschaft vieler Produktivdatenbanken sind die Daten, die für eine etwaige Performancediagnose gebraucht werden, dezentral in den jeweiligen Produktivdatenbanken gespeichert. Die Speicherdauer dieser Daten kann eingestellt werden, der Default liegt bei 8 Tagen.
Nachdem diese Technik mittlerweile bei vielen Kunden genutzt wird, stellt sich für viele Kunden vermehrt die Frage, ob diese Daten nicht länger, eventuell über mehrere Jahre hinweg, gespeichert werden können. Dabei soll die Produktivdatenbank aber möglichst wenig belastet werden. Es bietet sich also an, ein zentrales Data Warehouse für diese Performance- und Sessiondaten zu betreiben: Das AWR Warehouse.
Das AWR Warehouse ist nichts anderes als eine Datenbank, in der die AWR- und ASH-Daten ausgewählter Datenbanken gespeichert werden. Dort können diese Daten beliebig lange gespeichert werden. Die Daten werden grundsätzlich im Batchverfahren übertragen. Aktuelle Daten bleiben also zunächst in der Produktivdatenbank gespeichert und werden in einem einstellbaren Zeitintervall (Default 24 Stunden) in das AWR Warehouse übertragen. Die Nutzung erfolgt in Oracle Enterprise Manager Cloud Control. In der dort nutzbaren AWR Warehouse Konsole können Sie die AWR- und ASH-Daten analysieren, ohne zu wissen, wo diese Daten eigentlich liegen: Im AWR Warehouse (länger zurückliegende Daten) oder der Produktivdatenbank (aktuelle Daten).
Voraussetzungen:
- Das AWR Warehouse wird für jede Produktivdatenbank im Rahmen des Diagnostics Pack lizenziert. Dieses Management Pack sollten Sie aber sowieso lizenziert haben, wenn Sie mit AWR- oder ASH-Daten arbeiten, da auch diese Funktionalitäten Teil dieses Packs sind.
- Sie verwenden Oracle Enterprise Manager Cloud Control ab der Version 12c Release 4.
- Wenn Sie Oracle Enterprise Manager Cloud Control 12c Release 4 verwenden, müssen Sie noch Patches einspielen.
Dieser Tipp zeigt Ihnen, wie Sie das AWR Warehouse in Oracle Enterprise Manager Cloud Control 12c Release 4 aktivieren und konfigurieren. In späteren Releases sollte das Einspielen von Patches nicht mehr notwendig sein. Der Tipp untergliedert sich in
Die Nutzung eines fertig konfigurierten AWR Warehouse wird in diesem Video sehr gut gezeigt: https://www.youtube.com/watch?v=StydMitHtuI&feature=youtu.be.
Eine Übersicht über Zertifierung und notwendige Patches finden Sie auch in MOS in der Master Note on AWR Warehouse (Doc ID 1907335.1)
Überprüfen des aktuellen Zustands
Navigieren Sie in Cloud Control zu 'Targets'->'Databases'. Öffnen Sie das Menü 'Performance'.
Wenn in diesem Menü (wie hier im Screenshot) kein 'AWR Warehouse' auftaucht, müssen Sie den Oracle Management Server patchen.
Patchen des OMS
Mit dem Oracle Management Service 12c Release 4 (12.1.0.4.2) System Patch (Patchnummer 19176910) installieren Sie das AWR Warehouse auf der OMS-Seite. Das Einspielen des Patches erfordert eine Downtime des OMS und wird mit dem Kommando 'opatchauto' eingespielt. Die genaue Vorgehensweise wird detailliert im README des Patches erklärt.
Wenn Sie den Patch eingespielt und den OMS wieder gestartet haben, sieht das obige Menü so aus:
Auf der OMS Seite ist die Funktionalität des AWR Warehouse aktiviert.
Konfiguration der AWR Warehouse Datenbank
Der wichtigste Schritt bei der Konfiguration des AWR Warehouse ist die Angabe der Datenbank, in der die Daten gespeichert werden sollen.
- Diese Datenbank sollte aus Gründen der Performance nicht die Repository Datenbank von Cloud Control sein.
- Die Datenbank muss von der Version
- 12.1.0.2 oder höher sein.
oder
- 11.2.0.4 (auf Nicht-Exadata-Systemen) sein mit eingespieltem Patch 18547891
oder
- 11.2.0.4.4 (auf Exadata-Systemen) sein mit eingespieltem Patch 18547891
Zur Lizenzierung dieser Datenbank sagt das Handbuch folgendes (Stand August 2014):
Enterprise Manager includes a restricted-use license of the Oracle Database for use only with the Oracle Management Repository or other complementary repositories included with Enterprise Manager (such as, AWR Warehouse, Ops Center, Real User Experience Insight, Load Testing, and Test Manager).
Additional database options or additional servers for disaster recovery require separate licensing. Customers receive one single-instance database with the Cloud Control, or RMAN, repository. To protect the repository with Data Guard, customers need to purchase a license for the standby site. To protect the repository with Oracle Real Application Clusters, customers must license the second node for the database, and both nodes require an Oracle Real Application Clusters license.
Für eine Single Instance Datenbank ohne Data Guard Absicherung als AWR Warehouse Datenbank benötigen Sie neben dem Diagnostics Pack für die Quelldatenbanken also keine spezielle Datenbanklizenz, solange keine zusätzlichen Optionen genutzt werden und diese Datenbank ausschließlich als AWR Warehouse genutzt wird.
Zur Konfiguration wählen Sie den obigen Menüpunkt aus:
Sie sehen eine Übersichtsgrafik, die erklärt, wie das AWR Warehouse funktioniert. Im rechten Bereich sehen Sie den Status 'Not Configured'. Klicken Sie auf 'Configure'.
Wählen Sie eine Datenbank aus. Diese Datenbank muss in Cloud Control als Target eingetragen sein. Im vorliegenden Beispiel wurde die Repository Datenbank verwendet. Das funktioniert auch prinzipiell, ist aber nur für Testsysteme zu empfehlen. In Produktivumgebungen sollte eine eigene AWR Warehouse Datenbank verwendet werden.
Im nächsten Schritt stellen Sie die Speicherdauer und das Zeitintervall für die Datenübertragung ein. Beenden Sie diese Konfiguration mit 'Submit'.
Patchen der Agenten
Auch die Management Agenten der Version 12cR4 müssen noch mit einem Patch versehen werden. Es handelt sich um den Patch 19176706, der auch über die GUI von Cloud Control eingespielt werden kann.
Konfiguration der Quelldatenbanken
Im nächsten Schritt können Sie nun die Datenbanken hinzufügen, die ihre AWR- und ASH-Daten an das AWR Warehouse schicken sollen. Dazu navigieren Sie über 'Targets'->'Databases'->'Performance'->'AWR Warehouse' und klicken links auf das Datenbanksymbol. Der nächste Screenshot zeigt die Seite, wenn schon Datenbanken konfiguriert wurden.
Klicken Sie auf 'Add' und wählen eine Datenbank aus. Diese muss als Target in Cloud Control registriert und der jeweilige Agent muss mit dem oben angegebenen Patch aktualisiert sein. Des Weiteren müssen für die Datenbank, die Sie auswählen, die Preferred Credentials (Ebene 'Database Instance') gesetzt sein. Dabei wird nach der Auswahl der Datenbank automatisch das 'Normal Database Credential' herangezogen. Es werden hier alle Datenbankversionen ab Oracle 10g Release 2 unterstützt (Enterprise Edition plus Diagnostics Pack).
Sie müssen dem Benutzer, den Sie beim 'Normal Database Credential' verwenden (auch wenn es zum Beispiel der Benutzer SYSTEM ist), das EXECUTE Recht auf SYS.DBMS_SWRF_INTERNAL geben, mit
Daten übertragen
Die Datenübertragung sollte automatisch im oben angegebenen Zeitintervall stattfinden, das Upload also eingeschaltet sein. Ungeduldige können die Daten aber auch manuell übertragen. Wählen Sie dazu eine Datenbank aus, indem Sie in die Zeile der Datenbank klicken und wählen dann im Menü 'Actions' den Menüpunkt 'Upload Snapshots Now'. Im Ergebnis wird ein Job gestartet, der die Datenübertragung durchführt. Im Menü 'Actions' können Sie jederzeit den Datenupload ein- bzw. abschalten.
Daten analysieren
Sie können ab sofort die AWR- und ASH-Daten aller für das AWR Warehouse konfigurierten Datenbanken zentral analysieren. Wählen Sie dazu eine Datenbank aus, indem Sie auf die entsprechende Zeile klicken. Mit den Buttons 'ASH Analytics', 'AWR Report', 'Compare Period' und 'Performance Home' können Sie alle Analysen durchführen, die Sie auch von der Datenbank-Homepage bzw. dem dort befindlichen Menü 'Performance' her kennen. Dieses ist jetzt aber auch auf Datenbeständen möglich, die viel weiter in die Vergangenheit reichen.
So ist es jetzt zum Beispiel viel besser möglich, die Performance von Datenbanken im Weihnachtsgeschäft mit dem Vorjahr zu vergleichen. Auch die Analyse von Datenbanksitzungen ist jetzt möglich, auch wenn sich die betroffenen Personen oder Fachbereiche erst sehr spät melden und die Daten aus der Produktivdatenbank entfernt wurden.
Lizenzhinweis
Die Nutzung des AWR Warehouse wird mit dem Datenbank Diagnostics Pack lizenziert. Die Speicherdatenbank für die AWR Warehouse Daten unterliegt der im Tipp beschriebenen Restricted Use Lizenz.
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